21. Hochgebirgsaufenthalt im Watzmanngebiet vom PSV Zittau/ KG Edelroller
- Basis Lager erneut die Karl- Kreuzeder-Hütte
- ca. 6000 Höhenmeter in einer Woche
Es war wieder so weit. Unsere Watzmanntour näherte sich auch in diesem Jahr ihrem Beginn. Letzte Vorbereitungen und Einkäufe von Extremschlafsack, Biwaksack/ wasserdicht und die Verpflegung für eine Woche auf der Hütte mussten noch abgeschlossen werden. Dann starteten wir wieder Richtung Berchtesgaden. Anton, Luci und Franz warteten schon in Hammerstiel auf uns. Georg übernahm wieder unser ganzes Gepäck und verbrachte es mit seinem Allrad die 10 km auf die Hütte. Die drei Burschen machten sich auf den ersten Aufstieg und waren in einer reichlichen Stunde, über 550 Hm und knapp 7 km, ohne Pause, schon an der Karl Kreuzeder Hütte. Das Basis- Team mit dem Hüttenwart hatte noch nicht einmal genug Zeit, alles auszupacken und die Hütte her zu richten.
Nach der langen Autofahrt ist man immer froh, wenn man an seiner vertrauten Berg- Skihütte angekommen ist. An diesem Abend passiert nicht mehr viel. Da werden nur noch die vorgeplanten Wander - und Kletterrouten abgestimmt und an die aktuelle Wetterlage angepasst. In diesem Jahr gibt es am ersten Tag erst mal eine kleinere Einwander- und Höhenanpassungstour. (Archenkopf, Archenkanzel, Kührointalm,) Denn am Tag zwei soll es dann auf eine lange Tagestour gehen. Es steht die Hochkalter Überschreitung auf der Tagesordnung. Das ist der zweithöchste Gipfel im Watzmanngebiet.
Und das ist, von unserer Hütte bis wieder zu unserer Hütte, kein Pappenstiel. Ich habe diese Tour, etwas abgewandelt, 2003 in zwei Tagen durchgeführt. Damals übernachteten wir in der Blaueishütte.
Franz, Anton und Lucas wollen das an einem Tag durchreißen. Die Wettervorhersage ist eigentlich ganz gut. Kein Regen oder Gewitter in Sicht. Aber es soll verdammt warm werden. Temperaturen über 30 Grad und ständig Sonne auf dem nicht ganz einfachen (immer kleine Kletterpassagen) Gipfelgrad, lassen die Kräfte und die Konzentration schwinden.
Aber die Burschen sind sehr gut trainiert, haben in diesem Jahr auch schon allerhand Klettermeter in den Beinen und ein paar moralische Seillängen im Zittauer Gebirge hinter sich gebracht. Also packen wir es an. 05:45 Uhr klingelt der Wecker. Elke richtet das Bergsteiger- Frühstück. Die Rucksäcke sind bereits gepackt. Nun noch reichlich Wasser mitnehmen, die Verpflegung verstauen und 06:30 Uhr war scharfer Start in Richtung Wimbachbrücke. Über die Schärtenalm ging es zur Blaueishütte, Ankunft 09:56 Uhr. Dort wurde noch einmal kurz gerastet. (totale Wasserknappheit bei Regina) Vom ehemaligen Blaueisgletscher ist nichts mehr zu sehen. Aufstieg in Richtung Schärtenspitze, die dann links liegen bleibt, wenn man den Grat erreicht hat. Von hier oben hat man natürlich eine herrliche Sicht. Total blauer Himmel und Sonnenschein. Es ist heiß. Wir sind allerdings auf dem Grat, der eine ständige Auf- und Abkletterei von uns verlangt, nicht ganz alleine. Im Rücken haben wir das Lattengebirge. Links von uns liegen in einem tiefen Abbruch noch Reste vom Blaueisgletscher. Weiter links, hinter dem nächsten Gebirgssattel liegt das 10 km lange Wimbachgrieß verborgen. Über der linken Schulter erhebt sich das Watzmannmassiv. Rechter Hand erreichen wir das Gipfelkreuz vom Rotpalfen (Wasserwandkopf) 12:10 Uhr. Weiter geht es dann über den Kleinkalter bis hinauf zum Hochkaltergipfel (2607m). Wir erreichen das Ziel genau um 13:00 Uhr Das ist keine Tour für Anfänger. Jetzt wird ausgiebig gerastet, gegessen und getrunken (Verzehr von einer Salami) und wir genießen unseren Erfolg und die Aussicht. Den Eintrag ins Gipfelbuch (KG Edelroller) dürfen wir nicht vergessen. Sonst müssen wir noch mal hoch. Aber wir haben erst die halbe Miete.
Gegen 13:35 brechen wir wieder auf und begeben uns in den sehr anspruchsvollen ersten Abschnitt des Abstieges in das Ofental, was wir dann 16:02 erreichen. Gegen 18:00 Uhr sind wir wieder an der Wimbachbrücke. Nun geht es ja nur noch die 7 km bergan bis zu unserer Hütte, die wir um 20:30 Uhr erreichten. Allerdings ist unser Energiehaushalt so ziemlich aufgebraucht. Wir brauchen nur noch Abkühlung und Ruhe. Rucksack wird erst am nächsten Tag ausgepackt. Wir waren ganz schön fertig aber glücklich und stolz auf unseren Gipfelsieg und unseren Abschluss dieser Megatour. Am Ende waren es 40 Km mit 2706 Hm, ca. 60 000 Schritte und ca. 13 Std. Gehzeit. Das reicht für heute.
Der Tag drei war zum Regenerieren gedacht. Also, für Ausdauersportler eine ruhige mittelprächtige Tagestour. Gemütlich aufstehen, angenehmes Frühstück und dann ging es Richtung Watzmannhaus zum Kaiserschmarren essen. Der Weg führte über die Kührointalm, den Falzsteig mit Falzköpfchen, Falzalm hinauf zum Watzmannhaus. Dann Pause mit einer herrlichen Draufsicht auf unsere Megatour über den Hochkaltergrat. Danach stiegen wir über die Mitterkaseralm, mit Rast, zur Kührointalm, wo wir uns eine herrliche Gulaschsuppe genehmigen. Nach einem ausgiebigen Heidelbeerschmaus (Heidelbeeren ohne Ende) erreichen wir wieder die Hütte und genossen den Abend, den wir noch mit einer späten Schnellgeh/Laufeinheit auf den Grünstein beendeten. Herrliche Aussicht, ein spätes Alpenglühen am Hohen Göll und am Hohen Brett, mit einem sensationellen Sonnenuntergang hinter dem Lattengebirge. Dabei bäumte sich ein riesiger Gewitterturm über dem Steinernen Meer in Österreich auf, der noch grell von der untergehenden Sonne angestrahlt wurde. Das alles zusammen war ein sagenhaftes Naturschauspiel, was Elke und Volker von der „Schönen Aussicht“ aus ebenfalls beobachten konnten.
Für den nächsten Tag gab es eine Änderung. Die geplante Zweitagestour mit der gesamten Überschreitung der Ostseite der Berchtesgadener Alpen wurde auf Grund der extrem ansteigenden Hitze und der noch nicht wieder hergestellten körperlichen Verfassung vom Touren Plan 2026 gestrichen. Außerdem schwächelte Luci etwas. Er fühlte sich nicht wohl und war nicht im Besitz seiner ganzen Kräfte. Vielleicht einen Sonnenstich eingefangen? Wir disponieren um. Heute soll in den Vormittagsstunden die Watzmannfrau (Kleiner Watzmann) bestiegen werden. Erneut zeitig aufstehen und Abmarsch Richtung Kührointalm und über den kleinen Skihang Richtung Kederbichel zum Einstieg. Luci brach hier seine Tour ab und entschied sich, zur Hütte zurückzukehren, da es ihm nicht so gut ging. Er erschien dann auch bei uns an der Hütte und legte sich ins Bett und schlief. Das ist kein gutes Zeichen, aber die beste Erholung. Franz und Anton wagten den Aufstieg über den Nordostgrat, vorbei am sogenannten „Gendarm“. Die enge Gratstelle, welche eine kleine Schlüsselstelle ist, wurde von unseren Beiden als nicht zu schwierig eingeschätzt. Mit ihnen befand sich noch eine Seilschaft in der Nähe, auf dem gleichen Weg, der über Schrofen und eine abgestufte Rinne zum Gipfel führte. Hier erwarteten sie zwei Gipfelkreuze und eine weitere Seilschaft, welche vom dritten Kind oder aus dem Kar aufgestiegen war. Der Aufstieg dauerte etwa 2,5 Std. Trittsicherheit und Höhentauglichkeit sind allerdings gefragt, um am Ende bei 2307m am Gipfel zu stehen. Nun stehen auch hier wieder Edelroller im Gipfelbuch. Berg Heil. Die Jungs haben sich auf dem Gipfel sehr lange Zeit gelassen und den Augenblick genossen. Vor allem, weil Anton noch ein paar Spezialbilder aufnehmen wollte. Elke und Volker waren zur „Schönen Aussicht“ aufgestiegen und hatten die beiden Gipfelstürmer mit dem Fernglas beobachtet. Wir telefonierten und winkten uns zu. Gute Erfindung, so ein Fernglas. Dann der Abstieg, wie der Aufstieg.
Luci fühlte sich auch am Nachmittag noch nicht viel besser und beschloss, noch am Donnerstag nach Hammerstiel abzusteigen, wo ihn Holm dann mit nach Österreich nahm.
Am Freitag und am Samstag sollten laut DAV Wetterbericht immer am Nachmittag Gewitter aufziehen. Deshalb mussten die nächsten Tagestouren neu abgestimmt und umgeplant werden. Elke stieg am Freitagvormittag auf den Mooslaner, wo sie die erste halbe Stunde auf dem Gipfel völlig allein war und die grandiose Aussicht in absoluter Stille genießen konnte. Glöckchen läuten und Eintrag in das völlig überfüllte Gipfelbuch.
Ich vertiefte mich in meine Bücher „Der erfolgreiche Trainer“ und „Psychologie zwischen Start und Ziel“. Eine verdammt anspruchsvolle Lektüre. Ich hatte ein schattiges Plätzchen, wo ich der Hitze etwas entkommen konnte. Außer dem gleichmäßigen Plätschern des Wassertroges war nichts zu hören.
Heute sollte es noch einmal richtig heiß werden. Deshalb ging es für Franz und Anton hinab über den Rinnkendlsteig zum Königssee zum Baden in die kalten/ lauwarmen Fluten. Dann besuchten sie die „Eiskapelle“ unmittelbar am Einstieg zur 1900m hohen Watzmann Ostwand. Eine Eishöhle, die sich jedes Jahr aus den herunterfallenden Schneemassen der Ostwand bildet. Danach zurück nach St.Bartholomä und mit dem Boot nach Königssee, wo ein kleiner Imbiss und ein Eis warteten. In der Ferne konnte man schon das nahende Gewitter hören und sehen. Nach einer weiteren Weile telefonierte ich mit Franz. Sie waren nun schon (oder erst) Höhe der Bobbahn Richtung Klettersteig zum Grünsteig, den sie als Aufstieg gewählt hatten. Ich mahnte zur Eile, da das angekündigte Gewitter heute schneller und heftiger kam als erwartet. Elke und ich waren wieder an der „Schönen Aussicht“ und konnten den Klettersteig mit dem Fernglas beobachten. Wir sahen die Beiden in den Klettersteig einsteigen. Dann, ein Stück weiter oben an einer Schwebebrücke, ging es nicht so recht weiter. Was war los? Warum steigen sie nicht? Beeilung, ihr habt heute keine Zeit! Hinter uns im Watzmannkar hatte sich das nahende Gewitter schon festgesetzt. Sturmböen und erste heftige Regenschauer erreichten uns. Warum stiegen sie nicht weiter? Ich konnte drei, vier Mann erkennen. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, war, dass sie unterwegs einen völlig überforderten Vater (46) mit seiner Tochter(16), in totaler Panik vor dem nahenden Gewitter, im Klettersteig getroffen hatten. Der Vater wollte sich nicht helfen lassen.(Rucksack abnehmen) Er kommt selbst zurecht. Das junge Mädel war wohl völlig überfordert und im psychischen Ausnahmezustand. (Todesangst) Franz und Anton nahmen sich ihrer an und nahmen sie mit Richtung Gipfel. (Ausstieg) Das Tempo nahm langsam wieder zu. Die schwierigsten Kletterpassagen lagen hinter ihnen. Bei guten Bedingungen kann man etwa in einer Stunde oben sein. Es ist ein ziemlich langer, sehr hoher und oft ausgesetzter Klettersteig am Grünstein. Den Steig sollte man nicht unterschätzen. Vor allem nicht bei Gewitter und Starkregen. Da spült es dich aus der Wand. Elke und mich hatten der Sturm und der Starkregen nun erreicht und zerrten an uns. Ich suchte immer noch den Grat vom Grünstein ab und schaute, wo sich nun drei Gestalten nach oben kämpften, bevor sie kurz vor dem Gipfel in den Latschenkiefern verschwanden. Bei Gewitter weg von den Eisensicherungen und dem Stahlseil. Notfalls in eine sichere Mulde hocken und abwarten. Das wissen sie aber. Aber das Gewitter erreichte sie zum Glück erst, als sie ausgestiegen waren. Franz telefonierte kurz mit mir. „Sind oben, alles andere später zu Hause.“ Jetzt aber nichts wie weg hier. Das Gewitter stand über uns und der Regen peitschte nun aus dem Watzmannkar in Richtung Grünstein. Elke und ich liefen im Dauerlauf in Richtung Hütte und erreichten sie vor dem Wolkenbruch. Franz, Anton und das Mädchen konnten bis zur Grünsteinhütte absteigen und sich dort unter stellen, bis das Schlimmste vorbei war. Aber ohne Wechselsachen klitschnass, frierend und Todesangst um ihren Vater, konnten die Jungen das Mädel auch nicht alleine lassen. Also, Klamotten teilen und warten. Nach etwa einer Stunde erschien der Vater, völlig am Limit und fix und fertig. Er hatte wohl soeben eine der härtesten Lebenslehrstunden erfahren. Er bedankte sich bei den Jungs und war sichtlich froh für deren Hilfe. Eine weitere Stunde später erreichten die Jungs nun endlich unsere warme, gemütliche Hütte, wo es danach sehr viel zu erzählen gab. Ja, Hochgebirge ist kein Spielplatz. Da musst du körperlich fit, sportlich schnell und klar im Kopf sein. Eine Fehlentscheidung und alles ist vorbei.
Am letzten Tag hatten sich Franz und Anton das vierte Kind (Jungfrau) als lohnenswerten Klettergipfel vorgenommen, wenn das nahende Gewitter keinen Strich durch die Rechnung macht. Am Ende des Tages sollte noch ein Riesenschnitzel an der Kührointalm verzehrt werden, was allerdings an diesem Tag dann leider schon ausverkauft war.
Wir vier Wanderer erreichten am Nachmittag nacheinander unsere Hütte, bevor es mit dem Gewitter und dem starken Regenschauer anfing. Es kam allerdings später, als angekündigt. Franz und Anton hatten an der Jungfrau nicht das Bergglück auf ihrer Seite und mussten, bestimmt verbotener Weise, einen „Sack“ hängen lassen. Denn hier in den Berchtesgadener Alpen ist so ziemlich alles verboten. Wahrscheinlich auch ein lauter Furz. Nur Hubschrauber können hier den ganzen Tag fliegen. Egal wie oft, wie tief und wie laut. Das interessiert scheinbar hier Keinen. An der Jungfrau ist alles sehr abschüssig und sehr viel loses Geröll bedeckt die schrägen Platten. Viel lockeres Gestein, wenig zum Sichern. Die Beiden wollten am letzten Tag nichts mehr riskieren, da auch das angekündigte Gewitter etwas Zeitdruck verschaffte. Also, „Sack“ aufhängen, Rückzug und hinauf zum Dritten Kind als Abschluss. Und auch die Tour willst du erst mal machen. Aber da war das heranziehende Gewitter schon zu erkennen.
Am nächsten Tag ging es nach dem Großreinemachen wieder Richtung Heimat. Danke für die schöne und erlebnisreiche Zeit. Bis vielleicht zum Wiedersehen.
Die Welt ist ein Wunder und die Berge ein Geschenk. (Gipfelbucheintrag am Mooslaner)
Ski und Berg Heil V. Heinrich August 2026
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